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SD für Einschränkungen bei Zweitwohnungen
Am 11. März 2012 stimmt das Schweizer Volk über die
Volksinitiative „Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen!“ der
Institution „Helvetia Nostra“ vom unabhängigen
Umweltschützer Franz Weber ab. Das
Anliegen verlangt die Verankerung eines gesetzlich festgelegten
Höchstanteils von 20% an Zweitwohnungen für jede Gemeinde.
Dabei wird sowohl der Gesamtbestand an Wohneinheiten als auch
die für Wohnzwecke genutzte Bruttogeschossfläche erwähnt. Bundesrat
und Parlament empfehlen die Vorlage erwartungsgemäss zur
Ablehnung, zumal eine lose formulierte Ausgewogenheit zwischen
Erst- und Zweitwohnungen der Problematik genügend Abhilfe
schaffen soll. Demnach formulierte die Ratsmehrheit einen entsprechenden
indirekten Gegenvorschlag. Den Gemeinden mit tieferen Anteilen
drohen angeblich zusätzliche Wettbewerbsnachteile. Bei dieser
Stellungnahme könnte die Perspektive verfehlter nicht sein,
wobei sämtliche Schalmeienklänge über Nachhaltigkeit
nur im Rahmen von Wahlkampfaktionen wirklich ernst gemeint scheinen.
Zahlen und Fakten
In den letzten zehn Jahren wird die Schweiz von einer immensen
Einwanderungswelle heimgesucht, man spricht von ca. 80‘000
Personen pro Jahr. Zudem verbetoniert die Bauindustrie jede
Sekunde einen Quadratmeter an Boden. Während dem die
Agglomerationen allmählich zusammenwachsen, sind auch
die Bergregionen zunehmend bedroht. Skrupellose Investoren
erzeugen auf die empfindliche Flora und Fauna einen geradezu
zerstörerischen Wachstumsdruck. Diese Entwicklung ist
bereits seit einiger Zeit im Gang. Der Konkurrenzkampf in
den touristisch geprägten Regionen provoziert eine ständige
Ausweitung der vorhandenen Infrastrukturen und verhindert
eine der Attraktivität dienende ökologisch verträgliche
Entwicklung. Die endlos fortschreitende Errichtung von Zweitwohnungen
stellt das wohl wesentlichste Beispiel dar. Als solche bezeichnet
man alle Objekte, die von Privatpersonen (Eigentümern)
nur zeitweise als Feriendomizil benutzt werden. Vermietete
Wohnungen fallen nicht unter diesen Begriff und werden von
der Initiative ausgeblendet.
Zum heutigen Bestand von ca. 600‘000 Zweitwohnungen kommt
jährlich die stattliche Anzahl von 8‘000 weiteren
Wohnobjekten hinzu, was etwa mit der Stadt Solothurn gleichzusetzen
ist. Davon können 62% den Berggebieten angerechnet werden. Die
Folge spürt man indes bei der Abnahme von landwirtschaftlich
genutzten Flächen, der Zunahme an Leerwohnungen infolge Überkapazitäten
(auch „kalte Betten“ genannt) oder den rapide steigenden
Grundstück- und Immobilienpreisen allgemein. Mit der Verdrängung
des primären Sektors aus den alpinen Gebieten verschwindet
neben schweizerischem Kulturgut auch die Möglichkeit der
betriebswirtschaftlichen Diversifizierung. Stattdessen sind Teile
der einheimischen Bevölkerung ohne touristische Tätigkeit
gezwungen, in das ländliche Unterland oder gar in urbane
Gebiete umzuziehen. Die Höhe der Wohnkosten entspricht ungefähr
dem Niveau einer schweizerischen Grossstadt, wobei sich die Löhne
weit darunter befinden. Somit unterliegen diesem volkswirtschaftlichen
Wandel auch unberechenbare Verluste, die bei ausbleibenden Regulierungen
und Fördermassnahmen nur sehr schwer zu korrigieren sind.
Knapp ein Viertel aller Schweizer Gemeinden haben Anteile von über
20% an der Gesamtwohneinheit. Betrachtet man die kantonale Statistik,
so verfügen alpine Wohnkantone wie Graubünden und Wallis über
Höchstwerte von 81% respektive 78%. Darin spiegeln sich
touristische Stätten wie Leukerbad VS mit 73% oder Churwalden/Lenzerheide
GR mit 70%. Zudem stellt sich die Frage nach dem realen Gewinn,
der mithilfe eines liberalen Marktes und falschen Anreizen wie
der Pauschalbesteuerung von vermögenden ausländischen
Staatsbürgern, der angestrebten Aufhebung der „Lex
Koller“ (Einschränkung des Grundstückerwerbs
von Ausländern) oder dem unkontrollierten Steuerwettbewerb
erzielt werden soll. Es sprechen lokale Akteure von sanftem Tourismus,
während Gemeinden wie Andermatt quantitative Strategien
mit neuen Grossüberbauungen („Andermatt Resort“)
verfolgen und hoffen, dass die künftigen Entwicklungen dem
eigenen Standort lediglich Vorteile bescheren und stets zu steuern
seien.
Betrachtet man die Nachfrage der aktuellen Marktsegmente, so
stösst man unweigerlich auf ein zentrales Argument. Die
wahre Anziehungskraft liegt in der natürlichen Landschaft
und weniger in der dazugehörenden Infrastruktur. Diese
These wurde vor ungefähr einem halben Jahr vom Tourismus
Monitor Schweiz veröffentlicht und stützt sich auf
repräsentativen Gästebefragungen von Schweiz Tourismus
(TS). Daher zeigt sich qualitative nachhaltige Entwicklung viel
mehr in stetigen Investitionen für bestehende Angebote.
Diese sollen sich sowohl nach den erwarteten Gästen als
auch nach den Bedürfnissen der Natur richten. Gemäss
dieser Zielsetzung haben sich die Standorte längst erfolgreich
positioniert und könnten getrost auf ein flächenorientiertes
Wachstum verzichten.
Behalten wir Bewährtes bei und
schützen die Einzigartigkeit der Schweizer Berge! Legen
Sie daher ein kräftiges JA zur Volksinitiative „Schluss
mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen!“ in die Urne!
Adrian Pulver, SD-Zentralsekretär, Bern
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Die
Schweiz – ein urbaner Siedlungsraum –
oder Ist die Gross-Stadt Schweiz bereits Realität?
Nichts wäre falscher, als die Architekten Herzog/de-Meuron
vom ETH-Studio Basel zu verteufeln, weil sie die ganze Schweiz
in ihrer Studie als urbanen (=städtischen) Siedlungsraum bezeichnen
und entsprechende Betrachtungen anstellen.
Sie haben nichts anderes getan, als die Folgen der
Wachstumspolitik der letzten 50 Jahre (Bevölkerung, Wirtschaft, Überbauungen,
Verkehrsanlagen etc.) zu beurteilen und die Entwicklung in die
Zukunft zu extrapolieren. Sie haben sich Gedanken gemacht, wie
trotzdem ein erträgliches Umfeld geschaffen werden könnte.
Eigentlich machen sie auf ihrem Gebiet dasselbe,
was Prof. Kneschaurek zu Beginn der 70er Jahre machte, als er
für die Schweiz eine Einwohnerzahl von 10 Mio. Menschen
bis zum Jahr 2000 voraussagte, für den Fall, dass die Einwanderungs-
und Wachstumspolitik der 60er Jahre (mit Nettozuwanderungen bis
zu 110 000 Menschen pro Jahr) weitergeführt würde.
.
Dass es dann doch nicht soweit kam, ist im Wesentlichen
den Anstrengungen der Nationalen Aktion zu verdanken.Wenn heute
keine politisch wirksamen Anstrengungen unternommen werden, um
die Bevölkerungszunahme zu stoppen, die Verbauerei des Landes
zu verunmöglichen, wird die Vision der Herren Herzog/de
Meuron im besten Falle Wirklichkeit werden. Im schlechteren Falle
werden wir in einem Agglobrei mit sinnlosen Pendler-Strömen
und krebsartig wuchernden Siedlungen dahinvegetieren.
Die Erlebnis-Einkaufszentren auf der „Grünen
Wiese“ wird es nicht mehr geben, weil die „Grünen
Wiesen“ fehlen werden und statt derer der Aphalt-Beton-Dschungel
das Autofahrerherz (dank reichlichen Parkplätzen!) erfreuen
wird. (Und der Holcim-Zement-Konzern wird immer neue Rekordgewinne
dem staunenden Publikum präsentieren!)
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