Personenfreizügikeit:
Lohndumping
Personenfreizügigkeit: Missbräuche gehen
massiv weiter!
Der Verein Baustellenkontrolle Basel (BASKO) hat
nach vier Monaten Kontrollen eine negative Bilanz gezogen (Mitteilung
vom 25.05.2005): Bei 37 Kontrollen in Basel fand er in 21 Fällen
Verstösse. Meist hätten Arbeitgeber von aus dem Ausland
entsandten Personen die hiesigen Mindestlöhne nicht eingehalten.
Die Unregelmässigkeiten auf 60% der kontrollierten Baustellen
zeigen, dass die sogenannt „flankierenden Massnahmen“,
welche unser Land und unsere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
vor Sozial- und Lohndruck schützen sollten, rein gar nichts
nützen.
Bundesrat lügt!
Bundesrat Joseph Deiss hat (sinnigerweise) am 1.
April dieses Jahres erklärt, dass es nur noch wenige Verstösse
gebe. Dies habe eine Bundesstudie festgestellt. Das ist offenbar – wie
wir schon lange vermuteten - alles erstunkene und erlogene Abstimmungstaktik,
um dem Volk weiszumachen, dass alles in Ordnung sei und man ruhig
Ja stimmen könne.
Glaubt dem Bundesrat nicht mehr! Wie lange lassen
sich die Gewerkschaften wohl noch von solchen Lügen an der
Nase herumführen? NEIN zur Ost-Personenfreizügigkeit!
Sie bringt uns Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und dem Gewerbe
weniger Lohn und Arbeit…
Rudolf Keller, SD-Zentralpräsident
Landrat / e.Nationalrat
Die Gewerkschaften haben am 3. Dezember 2004 eine
Liste von Missbräuchen veröffentlicht. Seit Juni 2004
läuft der freie Personenverkehr mit den „alten“ EU-Ländern
und seither gibt’s Missbräuche noch und noch. Nachfolgend
publizieren wir diese Liste:
Neue Fälle von Lohndumping in der Schweiz
Die aufgelisteten Fälle aus der Ostschweiz,
aber auch aus dem Kanton Bern sowie aus Zürich betreffen
entsandte Arbeitnehmende vorwiegend aus Deutschland und Österreich,
aber auch aus Polen und Portugal. Es handelt sich um Baufachleute,
Bodenleger, Gerüstbauer, Maler, Gipser, Zimmerleute, Schlosser,
Mechaniker und Haustechniker (Sanitär-Installateure). Sie
werden auf Baustellen in Wohnbau, Industrie und Landwirtschaft
eingesetzt.
Die Entsendefirmen sind teils kleinere Holzbau-
und Zimmereigeschäfte aus dem grenznahen Vorarlberg, teils
sind es grössere deutsche und ostdeutsche Spezialfirmen
bis hin zu europäisch bedeutsamen Baukonzernen wie die Lindner
KG aus Arnstorf, der deutsche Fertighaus-Spezialist Schwörerhaus
KG oder der österreichische Silobauer Johann Wolf GesmbH.
Es gibt auch polnische und holländische Firmen. Ein Teil
der Arbeitnehmenden sind durch Temporärfirmen vermittelt,
meist kleinere Firmen ohne bekannten Namen.
Die Stundenlöhne bewegen sich in der Regel
zwischen 12 und 18 ¤ und liegen damit offensichtlich unter
den Schweizer GAV-Löhnen. Tieflöhne unter 10 Franken
sind keine Seltenheit. Der tiefste festgestellte Stundenlohn
betrug 5.90 ¤ oder knapp 9 Franken für einen über
eine deutsche Temporärfirma vermittelten Maler. Entschädigungen
für Unterkunft und Verpflegung sind die Regel, jedoch nicht
der 13. Monatslohn. Bei deutschen Arbeitnehmenden gibt es nur
Gratifikationen (Weihnachtsgeld). Am schlechtesten sind polnische
Arbeitnehmende gestellt mit Stundenlöhnen um 7 ¤ Franken
ohne 13. Monatslohn und 50-Stundenwoche ohne Überzeitentschädigung.
Die von Temporärfirmen bezahlten Löhne
liegen klar tiefer als jene von Entsendefirmen. Befragungen zeigen,
dass der grösste Teil der Entsandten keine Ahnung von Lohnvorschriften
hat und nicht weiss, dass es sich offenkundig um Löhne unter
dem Minimalstandard handelt.
Die realen Arbeitszeiten betragen bis zu 12 Stunden
pro Tag und sind damit, auf Wochenarbeitszeit umgerechnet, sehr
hoch, was darauf zurück zu führen ist, dass die befristeten
Einsätze auf den Baustellen in möglichst kurzer Zeit
durchgezogen werden. Fertighausbauer arbeiten, wie der Fall Wimmis
BE zeigt, bis spätnachts (22.30 Uhr). Vielfach beziehen
entsandte Arbeitnehmende gar keine Unterkunft, sondern reisen
mobil im (eigenen) Wohnwagen an. Wo sich solche Entsandte massieren,
bilden sich campingplatzähnliche Verhältnisse wie beim
Schlachthof-Neubau in Bazenheid SG. Manchmal drängen sich
bis zu vier Personen in einen kleinen Wohnwagen wie im Fall Altenrhein
SG. Fertighaus-Spezialisten stellen in einem Arbeitstag ein Wohnhaus
auf und richten sich gleich darin mit Schlafbahren über
Nacht ein (Fall Wimmis BE). Teils werden Unterkünfte gestellt,
die jeder Beschreibung spotten, wie der Fall Schaffhausen zeigt,
wo einem portugiesischen Arbeitnehmer ein praktisch leeres Zimmer
zugewiesen wurde und dieser, um überhaupt schlafen zu können,
erst eine Matratze aus dem Sperrmüll im Flur behändigen
musste. Das Gesamtbild der entsandten Arbeitnehmenden zeigt,
dass sich eine Art flexibles, mobiles europäisches Bau-Proletariat
bildet, das ständig unterwegs ist und Hunderte von Kilometern
für die Heimfahrt am Wochenende in Kauf nehmen muss.
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