1. Erpressung… falls ihr ablehnt, entfällt
alles
Was ist das für eine Demokratie,
wo man versucht, das Volk mit einer millionenschweren Propaganda
zu kaufen? Ein unaufhörlicher Propagandawirbel prasselt
auf uns alle herab. Mit riesigem Geschütz soll das Volk
weichgeklopft werden. Man müsse Ja stimmen zur Ausdehnung
des freien Personenverkehrs auf die neuen Ost-EU-Länder.
Und unserem Volk wird gedroht, ja man versucht es geradezu
dahingehend zu nötigen, dass man sagt, bei einem Nein
zu diesem Vertrag würden alle bereits vor 4 Jahren beschlossenen
Bilateralen Verträge hinfällig. Aber diese
Propaganda wird nicht verfangen, weil die Leute in den letzten
Monaten zu viele negative Entwicklungen des freien Personenverkehrs
mitbekommen haben. Und - das will ich bewusst vorausschicken
- ein Nein zur Ausweitung der Personenfreizügigkeit hat
keinerlei politische Konsequenzen. Selbst
Gewerkschaftspräsident Paul Rechsteiner hat erklärt,
dass die EU die Bilateralen Verträge nicht automatisch
aufkündigen würde, wenn das Schweizer Volk nun nein
sagen würde. Auch eine der Hauptverhandlerinnen, Monique
Jametti, sagte, dass sie davon ausgehen würde,
dass die Europäische Union in irgendeiner Form auf ein
Nein der Schweiz reagieren würde. Das
Brüssel aber gleich das ganze erste bilaterale Vertragspaket
aufkündigte, bezweifelt sie eher. Und der Economiesuisse-Vertreter in
Brüssel hat in einem Mail an seine Schweizer Freunde geschrieben, dass
die EU die Bilateralen 1 nicht kündigen wollten bei einem
Nein der Schweiz! Nationalrat Caspar Baader antwortete
auf die ihm gestellte Frage, ob bei einem Nein alle Bilateralen
Verträge gekündigt werden müssten, so: „Das
ist eine völlig falsche Behauptung. Eine Kündigung
müsste durch alle EU-Mitgliedstaaten einstimmig erfolgen,
und das ist undenkbar. Glauben Sie denn,
dass Österreich und Italien die Verträge kündigen
und damit einer Rückverlagerung des LKW-Verkehrs auf den
Brenner zustimmen würden? Und dass Deutschland oder Portugal
auf den bereits bestehenden freien Personenaustausch mit der
Schweiz verzichten würden?“
Damit haben wir dieses Thema, das nun von den Befürwortern
in erpresserischer Form in den Abstimmungskampf eingebracht wird,
abgehakt! Dieses Argument wird beim Volk nicht, respektive schlecht
ankommen.
2. Erste Abstimmung vor 5 Jahren
Wir sind heute versammelt, um den Startschuss für
die Bodigung des freien Personenverkehrs mit den Ost-EU-Ländern
abzugeben. Es ist ein wichtiger Kampf, der uns bevorsteht. Und
wir werden diese Auseinandersetzung mit Bravour meistern und
die Volksabstimmung für uns entscheiden. Deshalb
lassen wir uns auch nicht durch gekaufte Umfragen beirren. Wir
werden siegen, indem wir dem Volk die Wahrheit sagen! Am 21.
Mai 2000 stimmte noch eine Mehrheit der Bevölkerung Ja zu
den Bilateralen Verträgen mit der EU. Damals warnten wir
im Parlament und im Abstimmungskampf vor den negativen Folgen
des freien Personenverkehrs. Im Nationalrat hielten wir fest,
dass mit dem freien Personenverkehr unsere
guten wirtschaftlichen Standortvorteile aufgegeben würden.
Wir malten das Bild von ausländischen
Billiganbietern an die Wand, welche zu einer grossen Konkurrenz
für unsere Wirtschaft und das Gewerbe würden. Wir befürchteten,
dass die Schwarzarbeit zunehmen würde.
Und wir behaupteten auch, dass dadurch unser
Lohnniveau sinken würde. Abgesehen davon, dass mehr
Grenzgänger ins Land kämen. Und wir
befürchteten eine Einwanderungswelle.
Wir wissen es, unser Volk ist halt so, es muss zuerst
negative Erfahrungen machen, bis es bereit ist, solche Dinge
auch wirklich zu glauben. Am 1. Juni 2004
ist der freie Personenverkehr mit den bisherigen EU-Ländern
in Kraft getreten. Und was ist passiert? – Es ist innert
weniger Monate schlimmer gekommen, als wir es je in unserer Propaganda
zur Volksabstimmung vom 21. Mai 2000 beschreiben konnten. Ich
hätte nie gedacht, dass wir mit unserer Propaganda damals
nur sanfte Weichwäscher gewesen sind, denn all die Probleme
ergossen sich nun wesentlich negativer über unser Land,
als wir uns das in unseren kühnsten Träumen hätten
ausdenken können. Bereits jetzt, nach wenigen Monaten freier
Personenverkehr mit der EU, haben wir das Schlamassel. Und wie
würde das erst herauskommen, wenn wir diesen freien Personenverkehr
noch auf die neuen Ost-EU-Länder ausweiten würden?
3. Unseriöse Parlamentsarbeit
Unser Parlament ist nun in schludriger Art und Weise
daran gegangen, diesen Vertrag, den der Bundesrat mit den Brüsseler
Bürokraten ausgehandelt hat, sogenannt zu beraten. Im
Schnellzugstempo flogen sie über die Botschaft ans Parlament,
das Abkommen und den Bundesbeschluss mit Gesetzesänderungen.
Kaum ein Parlamentsmitglied weiss wirklich, was in diesen Verträgen
steht. Aber das ist denen offensichtlich auch nicht wichtig.
Es ist eine Schande, wie die unser Land auf diese billige Art
und Weise ausverkaufen wollen. Wenn Parlamentsmitglieder nicht
wissen, was sie beschliessen, dann ist einiges faul. Und es ist
in der Tat so, dass der freie Personenverkehr eine Zeitbombe
ist, die schneller tickt, als wir uns das vorstellen können.
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